Bestattung

HERR lehre mich bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass ich klug werde.

                                                                                                                         Psalm 190,12

 

Nichts hat sich in meinem Berufleben so verändert, wie das Sterben.

Am Anfang meiner Tätigkeit als Pfarrer wurde ich von Sterbenden gerufen.

Sie wollten noch, bevor der letzte Vorhang aufgeht, ihre "Lebensbeichte" bei dem Geistlichen ablegen und noch einmal Abendmahl feiern.

Manchmal wurde ich noch gebeten, bei den letzten Minuten der Reise dabei zu sein. Später dann den Leichnam auszusegnen, bevor er das Haus verlässt.

Heute ist das anders.

Mich erreicht die Todesmeldung durch ein Fax.

Danach gibt es ein Gespräch mit dem Bestatter, in welchem der Bestattungstermin festgelegt wird und später das Gespräch mit den Angehörigen.

Das soll jetzt nicht morbide, gefühllos oder gar "schräg" wirken. Ich bestatte gerne, nicht weil ich einem Menschen den Tod wünsche, sondern weil die meisten Bestattungsgespräche mit den Angehörigen eine Tiefe erreichen, die den Alttag durchbricht.

In den letzten Jahren ist etwas sehr besonderes passiert. Immer mehr Angehörige suchen sich Lieder zu der Bestattung aus, die sie trösten, sie mit derm Verstorbenen in Verbindung bringen oder schöne Erinnerungen an ihn wecken. Yesterday, von den Beatles erklingt dann in der Trauerhalle, oder What a wonderful World, Tears in heaven, .... Noch nie habe ich ein Lied gehört, dass ich als unangemessen empfand. Im Gegenteil, ich konnte den Trost hören und fühlen, der in vielen dieser Lieder klingt.

Eine Bestattung, danach werde ich immer wieder gefragt, ist - was den kirchlichen Teil betrifft -, kostefrei.

Ich wünsche uns, dass wir uns in diesem Zusammenhang nicht sehen, und wenn es doch soweit ist, dann hoffe ich, dass wir Ihnen ein bisschen helfen können, die schwere Zeit besser zu tragen.

Pfarrer Werner