Kunst

Kunstausstellungen haben in der Michaelsgemeinde eine lange Tradition

Das Kirchengebäude selbst ist schon ein architektonisches Kunstwerk und der von Michaelis (29. September) bis Ostern beleuchtete Turm ist so etwas wie das Wahrzeichen der Michaelsgemeinde.

 

Kunstausstellung GNADE

2017 haben wir am Sonntag, den 30. April, um 11.30 Uhr die Eröffnung der ersten Kunstausstellung für dieses Jahr mit dem Thema Gnade.

Die Michaelskirche ist die zweite Station dieses dreigliedrigen Kunstprojektes.

Um 10.00 Uhr wird dieses Projekt in der Martinskirche durch den Kirchenpräsidenten eröffnet. Im Anschluss an diesen Gotttesdienst ist die Gemeinde eingeladen in der Michaelskirche und später in der Stadtkirche die beiden anderen Kunstwerke zu sehen.

In der Michaelskirche haben Sie die Möglichkeit mit der Künstlerin und dem Pfarrer für Kunst und Kirche, Herrn Dr. Markus Zink, der wesentlich dazu beigetragen hat, dass diese Kunstausstellung in der Michaelskirche realisiert werden konnte, direkt zu sprechen.

Wir konnten Herrn Dr. Markus Zink gewinnen, am 21. Mai, um 10.00 Uhr, unseren Gottesdienst in der Michaelskirche zu gestalten. Er wird über das Thema Gnade und das Kunstwerk GNADE predigten. Wir freuen uns sehr, dass er diese Einladung angenommen hat.

 

Interview mit dem Pfarrer der Ev. Michaelsgemeinde Darmstadt, Manfred Werner

Manfred Werner: Zuallererst möchten wir Frau Velescu gratulieren, dass sie diesen Kunstpreis gewonnen hat. Dem Thema Gnade künstlerisch zu begegnen halten wir für keine leichte Aufgabe. Umso beeindruckter sind wir, dass diese junge Künstlerin sich dieses Themas angenommen hat.

© kunstinitiative: Warum gerade zeitgenössische Kunst in Ihrer Kirche?

Manfred Werner: „Zeitgenössische Kunst“ hat in unserer Kirche und in unserer Kirchengemeinde eine lange Tradition. Wir selbst verstehen uns als Kunst und Kulturkirche. D.h. , dass wir uns nicht als „Ausstellungskirche“ für Kunst verstehen, sondern als Dialogpartner, welche die christliche Perspektive auf die Welt mit einer künstlerischen Perspektive in ein Gespräch bringen will. Dieses Gespräch darf gerne „kontrovers“ in der Sache sein. Gleichwohl sind wir überzeugt, dass zeitgenössische Kunst existentielle Tiefen des Menschen berühren kann und somit Menschen für die Antwort Gottes auf die Fragen des Menschen öffnet. Ob dies mit jedem Kunstwerk gelingt, wissen wir nicht. Doch die Chance wollen wir jedem christlich-künstlerischen Dialog in unserer Kirche geben.

© kunstinitiative: Was kann die künstlerische Intervention im Kirchenraum bewirken?

Manfred Werner: Wir wünschen Frau Velescu, und auch den Preisrichtern und Preisrichterinnen, dass sie sich freuen, in unserer Kirche diesen künstlerischen Dialog über das Thema Gnade führen zu können. Und wir freuen uns in der Gemeinde, dass Kunstwerk und Künstlerin zu uns kommen. Auch möchten wir uns bei Pfarrer Dr. Zink bedanken, der uns bei diesem Projekt gut begleitet.

© kunstinitiative: Welche Erwartungen haben Sie an das Kunstwerk und was erhoffen Sie sich?

Manfred Werner: Was wir uns erhoffen? Viele Besucher, gute Gespräche und bald ein neues Kunstprojekt.

Interview mit dem Pfarrteam der Martin-Luther-Gemeinde Darmstadt, Frank Briesemeister und Tanja Bergelt

 
Frank Briesemeister
© kunstinitiative

 

     Tanja Bergelt
     © kunstinitiative

© kunstinitiative: Warum gerade zeitgenössische Kunst in Ihrer Kirche?

Frank Briesemeister und Tanja Bergelt:
In unserer Gemeinde wurden vor vier Jahren die liturgischen Gegenstände im Altarraum erneuert (Pult, Taufbecken, Kreuz, Kerzenständer, Bibelauflage). Das Künstlerehepaar, das diesen Auftrag übernommen hat, hat mit uns diskutiert, welche Glaubensinhalte wir mit der äußeren Gestaltung der Gegengestände verbinden.Im letzten Jahr haben wir dann den Andachtsraum der Kirche, der tagsüber geöffnet ist, ebenfalls neu gestaltet und intensive Gespräche geführt, was der Raum ausdrücken und leisten soll. Diese Gespräche, die auch kontrovers waren, haben zu neuen Entdeckungen geführt.Kunstwerke transportieren Inhalte. Sie möchten Impulse geben und Anregung zur Auseinandersetzung. Damit ermöglichen sie andere Zugänge zum Glauben als Predigt, Gottesdienst, Musik oder diakonisches Engagement. Die Martinskirche ist innen schlicht gehalten und hat eine klare Gestaltung. Sie bietet einen guten Rahmen für eine künstlerische Installation.Die Martinskirche wurde 1885 erbaut und im Lauf der Jahre baulich und gestalterisch verändert, besonders nach der Zerstörung in der Brandnacht am 11. September 1944. In ihren Gemäuern, der äußerlichen und der inneren Gestaltung, drückt sich der Glaube der jeweiligen Zeit aus. Zeitgenössische Kunst setzt einen Glaubensaspekt der Gegenwart um und ergänzt so die Glaubensgeschichte des Kirchenraums.

© kunstinitiative: Was kann die künstlerische Intervention im Kirchenraum bewirken?

Frank Briesemeister und Tanja Bergelt:
Sie verfremdet den Kirchenraum und ermöglicht Menschen somit eine neue Perspektive. Für eine begrenzte Zeit dominiert dieses Kunstwerk den vorderen Kirchenraum. Es lädt ein, nach vorne zu kommen, es anzufassen und zu benutzen. Bestimmt wird das Kunstwerk auch Menschen irritieren. Es hat einen Störfaktor, denn es ist groß und mächtig und alles Geschehen in der Kirche muss sich um dieses herum organisieren.
Aber es fordert auf zur Auseinandersetzung mit den Themen Gnade und Gebet. So bietet es Anregungen und Ausdrucksmöglichkeiten für den persönlichen Glauben und für gottesdienstliches Handeln.

© kunstinitiative: Welche Erwartungen haben Sie an das Kunstwerk und was erhoffen Sie sich?

Frank Briesemeister und Tanja Bergelt: Wir sind gespannt auf die Reaktionen der Menschen und hoffen, dass das Kunstwerk als Bereicherung erlebt wird. Es wäre wunderbar, wenn viele Menschen das Kunstwerk wirklich „nutzen“, indem sie die Kerzen, die schon einmal mit Gottvertrauen entzündet wurden und sozusagen Träger von Fürbittgebeten, Dank, Befürchtungen und Wünschen sind, wieder entzünden und mit ihren eigenen Bitten verbinden. So wie die Mauern der Kirche schon von vielen Gebeten zu freudigen und traurigen Anlässen „durchwirkt“ sind und immer wieder neue hinzukommen, so führen auch die Kerzen das Zwiegespräch mit Gott fort und verbinden Menschen unterschiedlicher Orte und Zeiten miteinander.